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Ich sitze wohlig entspannt im Grünen. Blinzle durch die Gläser meiner schicken Sonnenbrille. Zähle zwei, drei fluffige Wölkchen. Und denke an das Telefonat mit einer engen Powerpartnerin gerade eben.

Ihre Worte: “Ich finde Deine Disziplin echt klasse.”, wandern durch meinen Kopf.

Ich weiß, dass Dranbleiben und Durchziehen für mich keine großen Herausforderungen darstellen. Im Gegenteil, sie sind normal, vertraut, gehören zu mir.

Hab ich mir ein Ziel gesetzt, schärfe ich meinen Fokus. Enge mein Blickfeld ein. Kann netten Ablenkungen locker widerstehen. Blende Wege aus, die mich von meinem Ziel eher weg- als hinführen würden.

Ich committe mich. Zu 100%. Und ziehe durch.

Gleichzeitig erahne ich in genau dieser Gedankenschleife einen Knoten. Nach inzwischen drei Jahren täglicher Mindset-Arbeit spüre ich genau, wenn’s nicht ganz stimmt – das schöne, zurechtgerückte Bild.

Ich weiß, dass ich manchmal glatt mehr Lockerheit gebrauchen könnte. 

Prompt huscht eine Erinnerung ins Jetzt. Ich sehe meinen Vater. Einen kraftvollen, stolzen Mann. Einen, der bewegte und vollendete. Ehrgeizig und konsequent. Ein souveräner Macher.

Mein Vater war und ist mein Held. Ich weiß, dass ich seine schier unerschöpfliche Energie in mir habe. Dass ich – wie er – anpacke, umsetze, Ziele erreiche.

Ja, ich gefalle mir in der Rolle der erfolgreichen, unabhängigen Geschäftsfrau. Sehr sogar.

Was macht mich just in diesem Augenblick dennoch nachdenklich?

… … …

 

Ein kleiner Theorie-Input:

Eltern sind für ihre Kinder die Götter im Olymp.

Was Eltern denken, sagen, tun, ist für Kinder unerschütterliche Wahrheit.

Der Nachwuchs übernimmt ungefiltert die Sichtweisen und Handlungen seiner engsten Bezugspersonen.

Später in der Pubertät, wenn sich die Sehnsucht nach Abgrenzung laut und fordernd breit macht, erlauben sich die Mutigen zu rebellieren.

Sie rütteln an Mamas und Papas Weltbild. Beginnen kämpferisch, das Gegenteil zu leben. Bleiben langfristig trotzdem gefangen, wenn sie nicht irgendwann ihren Mustern auf den Zahn fühlen.

Weil: Findet später als Erwachsener Hinterfragen nie statt, bleibt der elterliche Blick in die Welt das Zentrum des unbewussten Denkens. Bei den artig Angepassten sowieso. Bei den lauten Rebellen auch. 

Erst wenn der erwachsene Mensch erkennt und versteht, was ihn prägte und immer noch steuert, wird der Weg frei in Richtung eigene Wahrheit, eigenes Leben.

Die Worte und Handlungen meines Vaters haben sich tief in mein Gehirn gegraben. Eine breite, eingefahrene Straße geformt. So funktioniert unser Gehirn.

Die Basis unseres erwachsenen Weltbildes bildet unsere (frühe) Kindheit. 

Trotzdem haben wir heute die Wahl –  jeden Tag aufs Neue – zu entscheiden, was wir davon behalten oder aussortieren wollen.

Was des Übernommenen und bisher nicht in Frage Gestellten stärkt mich in meinem Tun? Welche Lebenshaltungen meiner Eltern sind weniger passend und dürfen von mir wertschätzend losgelassen werden?

Ich ahne, dass für mich eine neue Form von Disziplin dran ist. Nicht weniger davon, sondern anders. Erleichternd anders. Lockerer. Lässiger. Meine eben.

Statt unablässig und rastlos auf der linken Spur mit Höchstgeschwindigkeit entlang zu jagen, darf ich zwischendurch einen sonnigen, grünen, gemütlichen Rastplatz anfahren. Den Fuß entspannt vom Gas nehmen. Anhalten, neugierig aussteigen, mich recken und strecken.

Mich mögen, auch wenn ich nichts zu tun habe und nichts tun muss.

Die sich daraufhin breitmachende Unruhe liebevoll wahrnehmen. Sie darf sein. Sie gehört zu mir. Sie darf sich ab jetzt verändern.

Ich bin wunderbar und wertvoll, wenn ich einfach nur ich bin. 

Ich im grünen Wald. Ich auf der bunten Wiese. Ich entspannt auf einer Bank. Ich gelassen auf dem Sofa. Ich mit mir.

Ohne etwas leisten zu müssen.

Mein erleichterndes Fazit:

Ich liebe MEINE neue Disziplin.

Sie ist frei von Getriebensein und Verbissenheit. Ich erreiche meine Ziele mit fröhlicher Leichtigkeit. Weil ich nicht entsprechen und erfüllen will, sondern meinem Herzensziel folge. Hurra!

Meine Botschaft an Dich:

Du lebst sehr wahrscheinlich noch immer viele vorgelebte, erlernte Verhaltensmuster Deiner Eltern bzw. enger Bezugspersonen aus Deiner Kindheit.

Vielleicht fallen Dir spontan Dinge ein, die Du sofort benennen kannst mit: “Das will ich niemals tun wie meine Eltern.”.

Der Haken an dieser Strategie ist, dass Du dennoch nicht Dein Leben lebst. Auch wenn es scheinbar so ganz anders aussieht als das Deiner Eltern.

Der Ausstieg gelingt Dir erst wirklich, wenn Du erkennst, was Dich prägte. Wenn Du aufhörst, noch immer den Erwartungen zu entsprechen oder angestrengt das Gegenteil zu leben.

Wenn Du begreifst, dass Du weder das eine noch das andere musst.

Wenn Du zwischen den (unfreien) Polen aus Anpassung und Rebellion DEIN Maß findest. Weit weg von jedem Muss. Noch weiter weg von jedem Verbot.

Wenn Du spürst, dass Du DARFST.

Herzlich, Katl