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Ich fahr‘ ins Mühlchen. Meine Stimmung ist im Keller. Die Versuchung, alles blöd und als Belastung abzustempeln, ist riesig. Missmutig lass ich meinen sch ….. Tag gedanklich vor mir ablaufen. Ich schaffe es nur mit größter Mühe, dem Hang zum rigorosen Schwarzsehen nicht vollends nachzugeben.

Kennst Du das? Den Kopf voll vermeintlicher Probleme und schlechte Laune bis zum Anschlag?

Noch vor einiger Zeit gab‘ ich mich solchen Anfällen mit allen Sinnen hin. Ich wollte Drama. Ich machte Drama. Ich inszenierte mein Theaterstück und spielte überzeugend die Hauptrolle des armen Opfers. Schuld waren alle anderen. Die Lösung lag weit im Außen und fern meiner Möglichkeiten.

Seit heute Morgen läuft diese Schleife: Mir ist alles zu viel. Auf die Mühle hab‘ ich null Bock. Ein Geschäft und drei Kinder reichen völlig aus. Brauch‘ ich nicht noch die geerbte Familienfirma an der Backe. Das Ganze incl. meiner Mutter, die nur schwer in ihre neue Rolle der helfenden Seniorin findet. Von der Gastro hab‘ ich sowieso gestrichen die Nase voll. Außerdem ist der Weg zum Bio-Seminarhaus viel zu lang und aufwendig. Usw.usf.

Diese Ladung reicht erfahrungsgemäß und verlässlich für den kompletten Tag. Nach harten Jahren der schonungslosen Selbstreflexion krieg‘ ich inzwischen rechtzeitig die Kurve. Eine erste und hochwichtige Sofortmaßnahme ist das Setzen eines fetten Stoppschilds hinter meiner Stirn.

Ich halte mein Auto an und steige am Rand einer herbstlichen Obstplantage aus. Ein Wechsel der Kulisse angereichert mit wunderbar frischer Luft wirkt bei mir „eigentlich“ immer.

Zweite Maßnahme ist die Hilfreichfrage:

Bringen mich die Gedanken, denen ich mit düsterer Miene angestrengt folge, weiter?

Unterstützen sie mich in irgendeiner Art und Weise bei der Lösung meines Problems, nämlich der Vermutung, dass ich als Alleinerzieherin viel zu viel rocke? Die ehrliche Antwort: Nein, tun sie natürlich nicht !!

Eine wichtige Erkenntnis und Unterbrechung der Negativspirale.

Hast Du die Hilfreichfrage schon mal ausprobiert? Ich empfehle sie Dir unbedingt. Bei mir bewirkt sie jedes Mal wahre Wunder. Mein Dramakreislauf wird unterbrochen und der Kopf frei für erste, noch zarte, konstruktive Suchprozesse.

Weil ich in den letzten Nächten schlichtweg zu kurz schlief, ist meine Jammerader heute etwas hartnäckiger. Ok, darf sie sein. Ich atme einfach weiter – die erdige Herbstluft tief ein und aus. Meine Füße rascheln in den ersten bunten Blättern.

Welche Gedanken brauch‘ ich, damit ich Land sehe und Lösungen? Was stärkt mich jetzt genau hier? Was macht mir wieder Lust auf meine Herausforderungen?

Ich atme nochmal tief, spüre, wie sich meine Schultern straffen und ich langsam auf die Sonnenseite rutsche. Ich weiß, das Drama kann mich zwar immer noch packen, aber nicht mehr festhalten.

Wohltuende Gewissheit macht sich breit und das wunderbar bekannte Gefühl von sattem, tiefen Vertrauen ins Leben.

Ich weiß, dass es für JEDES Problem eine Lösung gibt, und JEDE Herausforderung eine geniale Chance ist für persönliches Wachstum.

Das Mühlchen fordert mich. Gleichzeitig bietet es mir Möglichkeiten, Halt und Freiraum. Ich darf lernen. Dankbarsein. Loslassen. Neue Wege suchen und finden. Mein Ding durchziehen.

Mir wird ganz warm ums Herz. Meine Mama ist eine starke Frau. Sie hat viel in ihrem Leben gearbeitet und richtig viel erreicht. Ohne ihre Unerschütterlichkeit wäre das Mühlchen nicht das Mühlchen. Danke Mama !! <3

Meine Mitarbeiter halten zur Stange und mir weitestgehend den Rücken frei. Wenn es mir jetzt noch gelingt, meine ausgeprägte Neigung zur Perfektion loszulassen, läuft die Gastro verlässlich ohne mich. Genial !!

Ja und wie klasse ist es, die Termine meiner eigenen Seminare nach Herzenslust festlegen zu können, ohne irgendeinen Vermieter fragen zu müssen? Purer Luxus !!

Ich liebe diese Momente, wenn aus dunkelgrau hellbunt wird.

Wenn ich randvoll bin mit purer Lebenslust und dem Gefühl, dass mich nichts (mehr) umhaut.

Die Einzige, die mir Beine stellen kann, bin ich selbst. Die Einzige, die mich auf Überfliegerkurs bringt, bin auch ich selbst.

Meine Botschaft an Dich: Du entscheidest jeden Morgen neu, wie Du durch Deinen Tag gehst.

Du alleine hast es in der Hand, ob Du eifrig nach Schwachstellen suchst oder Dich auf das fokussierst, was super läuft in Deinem Leben. Ich wette, Du findest mindestens drei Dinge, die Du unbedingt so behalten willst, wie sie gerade sind.

Du gibst den Menschen und Situationen ihre Bedeutung. Von sich aus sind sie bedeutungslos. Zugegeben, ein revolutionärer Gedanke. Gleichzeitig einer, der Dir eine unglaubliche Freiheit schenkt. Du kommst raus aus Stillstand oder Dilemma und landest im Reich der unbegrenzten Möglichkeiten.

Ich hab‘ mich entschieden, das Mühlchen als meine beste Freundin und Unterstützerin zu sehen. Wenn ich schon die Bedeutung vergebe, dann bitte doch die helle und stärkende Variante.

So, nochmal einen tiefen Atemzug frischer Herbstluft eingeatmet, rein ins Auto und ab in mein Mühlchen. Ich bin echt gespannt, wie weit der Herbst unten im Tal gepinselt hat. Und ob Mama meine Rosengöttinnen viel zu zeitig und viel zu warm für den Winter verpackt hat??

Leute, ich freu‘ mich heute so !! Und ich bin neugierig auf Eure Erfahrungen mit Durchhänge- und Schwarzseh-Tagen !!

Herzlich, Katrin 🙂